«1.-August-Rakete», «Pyro-Artikel» oder was?

feuerwerkskoerperÜble Sache diese 1.-August-Rakete auf 20min.ch.  Manuel Pellegrini, Trainer des FCs Real Madrid, wird wohl niemals herausfinden, was die Scheibe seiner Unterkunft am 15. September 2009 wirklich zerborsten hat. Überhaupt wird so mancher Ausländer mit dem Begriff seine Mühe haben. Genau so, wie ich meine Mühe mit den «Pyro-Artikeln» habe. Die Dinger können nicht nur explodieren, man beschriftet sie nämlich auch als «pyrotechnische Artikel».

Dem Autor oder Lektor sei gesagt, dass er doch statt den Eigenkreationen lieber die gültigen Begriffe, wie «Feuerwerkskörper» oder «Feuerwerksrakete», verwenden solle. Laut Google hiesse das ganze auf Spanisch dann «de cohetes de fuegos artificiales». Somit hätte auch Pellegrini die Chance seinen Spielern zu erklären, mit welcher Waffe das Attentat auf sie verübt wurde.

NZZ vor Gericht

Wie der «Bote der Urschweiz» berichtet, stand die «NZZ am Sonntag» am vergangenen Freitag vor dem Richter des Bezirksgerichts Schwyz. Grund des Anstosses ist eine Artikelserie über die Pensionskasse Pro mit Sitz in Schwyz.  Die Pensionskasse wirft der NZZ am Sonntag unlauteren Wettbewerb vor. Zwischen Dezember 2006 und Januar 2009 seien mehrere kritische Artikel über die Pensionskasse publiziert worden, die herabsetzend sind und «zum Teil» nicht der Wahrheit entsprechen.

Die NZZ kritisierte in den Artikeln vor allem  die hohen Verwaltungskosten der Pensionskasse und  die undurchsichtigen Geschäftsführungspraktiken.  Unter anderem bekam in den Artikeln auch der Gründer und Präsident der Pensionskasse Pro, CVP-Nationalrat Reto Wehrli, sein Fett ab. Waren die Anschuldigungen gerechtfertigt? Vieles deutet darauf hin. Das merkte wohl auch Reto Wehrli, nachdem der frühere Marketings- und Verkaufsleiter 2007 wegen Veruntreuung von Pensionskassengeldern verurteilt worden war. Wehrli gab 2008 seinen Rücktritt aus dem Präsidium bekannt. Wurde es ihm zu heiss? Diese und weitere Tatsachen zu publizieren war mehr als legitim. Dieser Meinung ist auch die NZZ am Sonntag, die vor Gericht sämtliche Anschuldigungen bestritt.

Laut «Bote» wurde noch kein Urteil gefällt. Der Richter empfahl den Parteien, sich auf einen Vergleich zu einigen. Das dürfte sich allerdings als sehr schwierig erweisen, da sich die NZZ mit einem Vergleich der unwahren oder unvollständigen Berichterstattung schuldig bekennen würde. Zudem würde sich die Autorin der Artikel vor den Kopf gestossen fühlen. Die NZZ hatte im Sinne der Öffentlichkeit ein Interesse daran, die Gechäftspraktiken der Pensionskasse Pro zu durchleuchten und wird wohl auch an den publizierten Tatsachen festhalten. Einen Vergleich halte ich daher für unwahrscheinlich.

Wann stirbt «News»?

Letzten Montag wurde .ch unter den Teppich gekehrt. In der Deutschweiz bleiben 3 Gratiszeitungen übrig. 20 Minuten, Blick am Abend und «News». Doch wie steht es genau um «News»? Um die Situation zu verstehen blicken wir zurück.

News erschien erstmals am 5. September 2007. Herausgeber ist der Medienriese Tamedia. Dieser Termin kommt nicht von ungefähr. Tamedia hatte ganz bestimmte Absichten. Kurze Zeit später nämlich, am 19. September 2009, erschien «.ch». Ein Zufall? Nein. Denn bereits mitte August tauchten erste Gerüchte über ein neues Gratisblatt im Blätterwald auf. Verantwortlich dafür war Verleger Sacha Wigdorovits, der Herausgeber von «.ch». Sein Ziel: «Eine Qualitätszeitung besser als 20 Minuten und Blick», wie er in einer Pressemitteilung zur Lancierung sagte. Dieses Ziel darf man inzwischen als gescheitert betrachten.

Tamedia hatte nämlich zusammen mit der Berner Zeitung, dem Tages Anzeiger und der Basler Zeitung innert kürzester Zeit selber eine neue Gratiszeitung lanciert: «News». Ihr einziger Zweck war, dem kommenden «.ch» Marktanteile abzujagen und es gar nicht erst zur Konkurrenz werden zu lassen. Das pikante daran: Das Gratisblatt von Tamedia konnte noch vor dem Start von «.ch» lanciert werden.

Heute, eineinhalb Jahre nach dem Start, existiert «.ch» nicht mehr. Damit steht nun aber auch die Pendlerzeitung «News» verloren in der Zeitungslandschaft. Tamedia will und kann sich sicherlich nicht zwei Gratiszeitungen leisten, die sich sogar gegenseitig konkurrenzieren könnten. Es ist klar: Die Gratiszeitung «News» wird in Kürze ebenfalls eingestellt werden. Dies ist die einzig logische Schlussfolgerung.

Aus für .ch

Eben noch begrüssten sie die Pendlermassen mit einem freundlichen “Guetä Morgä”. Jetzt sind sie verschwunden. Ebenso wie die Zeitung, die sie verteilten. Die Zeitungsjungen von .ch haben nichts mehr zu lachen. Mit ihnen 69 weitere Mitarbeiter des Verlags. Der Verwaltungsrat hat am Montag verkündet, dass die Pendlerzeitung .ch nicht mehr herausgegeben wird. Für die Mitarbeiter kam die Schreckensmeldung anscheinend “wie ein Blitz aus heiterem Himmel”. Tage zuvor hätten sie noch auf den Erfolg der Zeitung angestossen.

Doch so unvorhersehbar, wie Chefredaktor Leeb sagte, war das Ende überhaupt nicht. Schon bei der Lancierung von .ch im September 2007 stellte sich die Frage: Wieso noch eine Gratiszeitung? Nebst .ch existierten nämlich schon “heute” und “20 Minuten”. Der Markt war schon mehr als gesättigt. Die Verantwortlichen hätten eigentlich schon damals merken sollen, dass die Pendler mit 2 Gratiszeitungen gut genug bedient sind.

Der Pendler ist doch irgendwie auch ein Gewohnheitstier. Er steht früh auf und trottet zum Bahnhof. Er schnappt sich unterwegs ein 20 Minuten und zieht sich die Nachrichten des Tages rein. Wenn da jetzt plötzlich zwei verschiedene Zeitungen liegen, ist er verwirrt. Logischerweise nimmt er jene, die er schon kennt. Zweimal die selben Nachrichten will er sowieso nicht lesen.

Das Blatt hatte von Anfang an einen schwierigen Stand. Der Gratiszeitungsmarkt ist nun um eine Zeitung ärmer. Doch für den Leser bleibt eigentlich alles beim Alten. SDA-Meldungen kann er auch im 20 Minuten lesen und Rätsel gibt es da auch. Für die 69 Arbeitslosen von .ch gäbe es eine Lösung: Kommt ins Bündnerland und lanciert hier eine Gratiszeitung! Das wäre doch was.

Erst überlegen, dann schreiben

Die Lektoren von 20Minuten sind vermutlich gerade in der Mittagspause. Sonst hätten sie sicherlich das bemerkt:

20min-historie-gross

Die Eröffnung der Westumfahrung bedeutet einen Quantensprung in der Geschichte der Schweizer Nationalstrassen, wobei es zu skurrilen Ereignissen kam.

Auch beim zehnten Anlauf ergibt die Bildunterschrift keinen Sinn. Man kann sie lesen soviel man will. Was der Autor dieser Nachricht uns sagen will, bleibt ein Rätsel.

Text-Bild-Schere

pleitegeier
Darf ich vorstellen? Das ist eine Text-Bild-Schere. Sie entsteht, wenn der Text oder eine Überschrift etwas anderes sagt als das Bild dazu. Oder wer sieht hier etwa Geier kreisen?

Text-Bild-Scheren gibt es häufig auch im Fernsehen. Sie sind bei Newssendungen, wie z.B der Tagesschau, anzutreffen. Dann nennt man sie aber Ton-Bild-Scheren. Der Moderator oder die Stimme im Beitrag erzählt etwas anderes als das Bild, das man gerade sieht.

Text-Bild-Scheren und Ton-Bild-Scheren nehmen wir nicht immer als solche wahr. Es ist gut möglich, dass wir sie gar nicht bemerken. Bestimmt wirken sie jedoch unterbewusst. Wir nehmen die Information nicht wirklich wahr oder können sie schlechter behalten, weil das Bild dazu nicht stimmt.

Text-Bild-Scheren können auch in einem Vortrag oder in einer schriftlichen Arbeit vorkommen. Deshalb ist es wichtig, dass man auf einen sinnvollen Gebrauchen von Grafiken und Bildern achtet. Man sollte sich immer die Frage stellen: Was will ich mit diesem Bild aussagen? Stimmen Bild und Text überein, wirkt sich das nämlich positiv aus. Der Leser oder der Zuschauer kann sich die Informationen, die vermittelt werden sollen, besser merken.

Die Lücke im Blätterwald

Wenn ich morgens zur Schule gehe – Keine. Wenn ich abends heimkehre – Keine. Wenn ich jedoch unter der Woche einmal in Richtung Zürich reise, dann finde ich mindestens 4 verschiedene. Die Rede ist hier von Gratiszeitungen. Die bequeme Art, sich am Morgen oder am Abend zu informieren. In Chur gibt es keine täglichen Gratisblätter. Im ganzen Kanton nicht. Die einzige Gratiszeitung im Kanton Graubünden ist die Bündnerwoche, die einmal wöchentlich erscheint.

Ich kann mich gut erinnern, als es 1999 die erste zürcher Ausgabe von “20 Minuten” in unsere Schulzimmer schaffte. Wir waren fasziniert vom kompakten Format dieser Zeitung. Bald darauf folgten weitere Regionalausgaben in Bern, Basel oder St. Gallen. 2006 kam “Heute” auf den Markt und 1 Jahr später “.ch” und “News”. Auch ennet dem Röstigraben gibt es bereits Gratiszeitungen.

Doch wo ist der Rest der Schweiz geblieben? Wurde er vergessen? Graubünden ist der grösste Kanton der Schweiz. Es führen gut erschlossene Verkehrswege dorthin. Von Zürich aus ist Chur in gut einer Stunde zu erreichen. Wieso findet sich keine Regionalausgabe von 20 Minuten oder Blick am Abend in diesem Teil der Schweiz? Auch wir Ostschweizer haben ein Anrecht auf kostenlose Information.

Liebe Verleger: Wir wollen eine Gratiszeitung im Bündnerland! Der Markt ist da und der Markt ist gross. Ihr müsst ihn nur bedienen.

Wirkung von Bildern

In der Medienwelt stellt sich unweigerlich die Frage, wie man Bilder in Artikeln oder Beiträgen sinnvoll verwendet – in der Presse sowie im Fernsehen. Beim Radio weniger :D . Es gibt viele schlechte Beispiele. Im Fernsehen, wo wir Bilder sehen, die gar nichts mit dem zu tun haben, was der Moderator gerade erzählt. Oder in Zeitungen, wo sich Fotos mit dem widersprechen, was der Text sagt. Manche Zeitungen drucken Bilder einfach, um Platz zu füllen. Dem entsprechend sinnlos sehen diese dann auch aus.

Kürzlich habe ich zwei sehr gute Beispiele in zwei Lokalzeitungen gefunden. Sie zeigen schön und anhand des gleichen Themas, wie man es (nicht) machen sollte.

Abbildung im Boten der Urschweiz

Abbildung Einsiedler-Anzeiger

Die Bilder wurden von zwei unterschiedlichen Fotografen gemacht. Beide Artikel, im Einsiedler-Anzeiger sowie im Boten der Urschweiz, handelten von einer Sponsoringaktion der Versicherung Mobiliar auf der Klostermauer Einsiedeln. Hier zeigt sich sehr schön, wie man den Text durch ein aussagekräftiges Bild unterstützen kann – oder eben nicht. Dem Fotografen des Boten ist ein Bild gelungen, auf das man gerne zweimal schaut. Beim Einsiedler Anzeiger hingegen visualisiert der Fotograf gut das Ausmass der Sponsoringaktion, aber diese Druckerschwärze hätte man sich sparen können.

Doppelt hält besser?

Auch Zeitungen werden nur von Menschenhand geschaffen. Wo das Geld für Lektoren fehlt – das sind jene, die die Texte auf ihre Rechtschreibung hin überprüfen – da sind sehr oft komische Satzstellungen und Wörter zu finden. Ein Paradebeispiel dafür ist die Onlineausgabe von 20min.ch. Vor allem am Wochenende. Aber auch in Printausgaben finde ich hin und wieder lustige Formulierungen. So im Boten der Urschweiz vom 31. März 2009. Da steht folgendes (Ausschnitt):

Voralpen-Express ist beliebt

Die Zahl der Personenkilometer konnte gegenüber dem Rekordjahr 2009 leicht gesteigert werden; Von 138’47’055 auf 138’548’136 Pkm. Mit neuen Verpflegungsautomaten wurde das Komfortangebot markant verbessert.

Im nächsten Satz:

Die von den Reisenden gefahrenen Personenkilometer konnten 2008 gegenüber dem Vorjahr um 0,056 Prozent auf 138’548’136 gesteigert werden. Seit dem Sommer kommen die Fahrgäste zudem in den Genuss von neuen Verpflegungsautomaten mit einem aktuellen Angebot.

Es ist offensichtlich. Hier wurde 1:1 eine Medienmitteilung publiziert. (Original Medienmitteilung unter Voralpen-express.ch). Gemäss Kürzel am Ende des Textes wurde die Meldung in diesem Wortlaut von der Schweizer Depeschenagentur übernommen (sda). Kein gutes Beispiel. Wenigstens die Doppelnennung hätte man bemerken müssen.

Wie im Wilden Westen

Zwischen Deutschland und der Schweiz brodelt es. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück hat die Schweiz erneut verbal angegriffen. Nach der Peitsche droht uns nun die Kavallerie. Doch auch die Schweizer Politik krebst zurück. So beschrieb der Nationalrat Thomas Müller die Deutschen als hässlich und Nazis.

Auslöser des Schlagabtauschs waren die Streitigkeiten um das Schweizer Bankgeheimnis. Die Deutschen kritisierten, wir hätten wohlhabenden Deutschen zur Steuerhinterziehung verholfen. Wir Schweizer andererseits störten uns daran, wie die Deutschen die Situation zu lösen versuchten. Mittels einer schwarzen Liste hat man uns  indirekt erpresst, das Bankgeheimnis aufzulösen.

Sowohl Schweizer wie auch Deutsche haben Schuld an der momentanen Situation. Angestachelt durch die Medien, die in dieser Hinsicht auch nicht gerade zurückhaltend waren, hat sich eine regelrechte Schiesserei entwickelt. Wie im Wilden Westen – zwischen Indianern und der Kavallerie. Müssen wir uns überhaupt auf dieses Niveau herablassen? Auf die Stufe, wo man Konflikte nur noch durch duellieren von Angesicht zu Angesicht austrägt?

Sparen wir doch die Munition für andere Zeiten. Es ist jetzt an der Zeit, dass sich alle wieder zurücknehmen. Politiker und Medien. Es schadet hier nicht, sachlicher miteinander zu kommunizieren und mit Verstand an das Thema heranzugehen.