Bleibt Energy wirklich Energy?

Beim Streit um die verlorene Konzession von Radio Energy zeichnet sich eine Lösung ab. Giuseppe Scaglione, Radio Monte Carlo (RMC), hat seine Konzession an Energy verkauft. Allerdings nur, sofern das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) diesem Deal zustimmt. Genau hier liegt der Hund begraben.

Zum Einen muss Radio Energy zahlreiche Kriterien erfüllen, um die Konzession von RMC zu übernehmen und weiter auf Sendung bleiben zu können. Genauer gesagt, die von RMC versprochenen Leistungen in Bezug auf Information, Qualitätssicherung und Aus-/Weiterbildung. Zum anderen stellt sich die Frage, ob Scaglione seine Konzession zum Zweck der «Geschäftlimacherei» erschlichen hat. Und damit der jetztige Verkauf nicht rechtsgültig oder zumindest nicht legitim wäre (siehe Interview von Roger Schawinski).

Mehr Information und Wortanteil
In Bezug auf die Qualitätssicherung sowie die Aus- und Weiterbildung kann Radio Energy sicherlich mit den Versprechungen von RMC mithalten. Das haben sie schon mit der Bewerbung für die grosse Konzession (Zürich-Glarus) bewiesen. Anders sieht es beim Radioprogramm aus. Zwar hat Energy versprochen, Änderungen in der Programmstruktur vorzunehmen. Zum Beispiel mit einem Wortanteil von mindestens 25%, dies entspricht 15 Minuten pro Stunde. Oder mit mehr Informationen und Gesprächen zu politischen, kulturellen, wirtschaftlichen Themen.

Vorbei mit «Hits-only»?
Doch noch ist unklar, wie und ob Energy den Versprechungen von RMC gerecht werden will, mehr Musik aus den Bereichen Lounge, Chill Out, Nu-Jazz, Acid Jazz, Nu-Soul, Funk oder World Music zu senden. Auch offen ist, ob Energy Nachrichtenbulletins in englischer, französischer und italienischer Sprache aussenden wird, wie es RMC eigentlich vorgesehen hätte.

Noch liegen also nicht alle Karten auf dem Tisch. Es bleibt spannend. Radio Energy wird sich sicher verändern (müssen), um die Konzession von RMC zu erhalten. Darüber werden nicht alle Hörer erfreut sein. Aber in Bezug auf das Programm und die journalistischen Inhalte würde das Radio sicherlich attraktiver werden, als es heute ist. Mehr Information, mehr Musik – das neue Energy.

Erneute «Qualitätsoffensive»

radio_studioEs kommt Wind in die Schweizer Radiolandschaft. Zumindest behaupten dies einige. Am Freitag verkündete Roger Schawinski, dass sein Radio 1 und Radio Basel künftig alle redaktionellen Inhalte teilen werden. So wollen die beiden Privatradios effizienter und qualitativ besser werden. Mitunter auch um mit den staatlichen Radiosendern mithalten zu können.

Kooperationen sind natürlich aus wirtschaftlicher Sicht gesehen immer eine willkommene Sache. Sie sparen Zeit und Geld. Und Mitarbeiter (was mit zeitlichen und finanziellen Interessen einhergeht). Dank der Kooperation können die Radios mit dem gleichen Personal ungleich mehr recherchieren und berichten, weil zusätzlich die bereits vorhandenen Ressourcen des  anderen Radios genutzt werden können.

Aus journalistischer Sicht scheint eine Kooperation nicht unbedingt nützlich. So lässt sich zum Beispiel mit dem überall gefürchteten Einheitsbrei argumentieren. Aus dem vorhandenen Rohmaterial entstehen womöglich identische Berichte. Als Resultat bekommt der Geschäftsmann zu Hause in Basel dieselben Reportagen zu hören, wie im Geschäft in Zürich. Als «gute» negative Beispiele lassen sich an dieser Stelle die von der Schweizerische Depeschenagentur (sda) abgefassten und überall verbreiteten Meldungen anführen. Oder die in der Blogosphäre verhasste Kooperation «Newsnetz» von Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, Berner Zeitung, der Bund und Thurgauer Zeitung.

Klar, bei den durch die beiden Radiostationen verknüpften Inhalten handelt es sich um Rohmaterial. Daraus können durchaus sehr verschiedene Beiträge entstehen. Ob das in der Praxis dann auch so umgesetzt oder aus lauter Bequemlichkeit darauf verzichtet wird werden wir sehen.

Energy lebt! – auf DAB+

dabradioNur weiss es keiner. Schuld daran sind Ringier und Energy selbst. Statt ewig Trübsal zu blasen und immer wieder über die verlorene UKW-Frequenz zu streiten, sollten sie den Hörern endlich Feuer unterm Arsch machen. Ab 15. Oktober 2009 wird Energy Züri nämlich auf DAB+ empfangbar sein. Energy Züri ist in den Zeitungen zur Zeit vor allem mit Berichten über Solidaritätsaktionen und Rekursen präsent. Wieso stand von der neuen Empfangsmöglichkeit noch nie etwas im Blick? Immer liesst man nur von einer «Übergangsfrequenz», um den nahtlosen Wechsel zu DAB+ zu ermöglichen. Möglich wäre das schon lange! digiradio.blogspot.com schrieb es richtig:

Energy hätte schon im vergangenen Herbst voll darauf setzen sollen, dank Digitalradio zu einem nationalen Privatradio zu werden. Ein halbes Jahr hätte bereits dazu genutzt werden können, die Hörer aktiv auf die neue Empfangsmöglichkeit hinzuweisen.

Doch wo steht Energy heute? Eben. Deshalb wollen wir dem armen Radio mal unter die Arme greifen: Bist du Fan von Energy Züri? Dann kaufe dir umgehend ein DAB+-Radio. Dann hast du ab dem 15. Oktober 2009 nicht nur Energy Züri mit besserer Empfangsqualität, sondern auch noch mx3.ch als Radiosender. Ein DAB-Radio kaufst du in Fachmärkten ab 150 Franken. Bleibt für Energy zu hoffen, dass dieser Aufruf seine Runden macht.

Was ist DAB+?
Die UKW-Frequenzen sind beschränkt. Deshalb wurde ein neues System entwickelt und eingeführt. Es heisst DAB (Digital Audio Broadcasting). Die Qualität ist besser und es können mehrere Sender auf der gleichen Frequenz empfangen werden. Um DAB+ zu empfangen, wird ein DAB+-fähiges Radiogerät benötigt.

Energy vs. Radio 1

Es hätte ein stilles und im kleinen Rahmen gestreutes Werbemailing werden sollen. Doch es kam anders. Seit Montag flattert Schawinskis Spiegelbild durch den Blätterwald. Sicher weiss jetzt auch der letzte Neanderthaler, dass Schawinski Jude ist und Energy Werbekunden sucht. Zudem wurde uns wieder einmal in Erinnerung gerufen, dass in Sachen Radio 1 und Energy noch nicht das letzte Wort gesprochen ist (siehe Rekurs gegen Konzessionsentscheid). Geschicktes Marketing oder einfach Sticheleien? «Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen», behauptet Daniel Büchi, Geschäftsführer von Radio Energy, in einem Interview mit persoenlich.com. Keinesfalls sei es Absicht gewesen, Roger Schawinski als geizigen Juden darzustellen. Und Ringier habe mit der ganzen Sache schon gar nichts zu tun. Auch den Vorwurf, Energy handle unlauter, weil sie mit unrichtigen, irreführenden oder unnötig verletzenden Äusserungen werben, streitet Büchi ab. Die Lauterkeitskommission wird sich die Finger reiben, ab so viel Schwachsinn, die dieser Herr da von sich gibt.

Wer sich die Präsentation für Werbekunden von Energy mal anschaut, zählt insgesamt viermal den Juden Schawinski. Blickt man die Präsentation einfach so durch könnte man meinen es handle sich um ein persönliches Fotoalbum Schawinskis. Ist diese «Werbung» vergleichend? Klar. Ist sie unnötig verletzend in den Äusserungen? Nooeeeeiiin. Wo auch? Nur ein paar Auszüge:

Bei keinem anderen Radio steht Preis und Leistung in einem derartigen Missverhältnis wie bei Radio 1…

oder

Die beste Morgenshow, die keiner hört…

noch mehr?

Keiner kann sich und sein Produkt besser verkaufen als Roger Schawinski. Mit der Kampagne für seine Morgenshow (Ich has erfunde) hat er sich aber einmal mehr selber übertroffen…

Und weil es so lustig war gleich noch ein paar Bilder aus dem Energymailing dazu, die natürlich ebenso harmlos sind:

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Grischa verstösst gegen Konzessionsauflagen

Am 31. Oktober 2008 hat das Bundesamt für Kommunikation die neuen Radiokonzessionen vergeben. Das hat zu vielen Diskussionen und Entrüstungen geführt. Vor allem rund um Radio Energy. Doch auch in der Region Südostschweiz gab es unzufriedene Gesichter. So hat Radio Grischa eine Konzession erhalten, während die Bewerber von Radio Südost leer ausgegangen sind. Radio Südost, unter der Leitung von Schawinski, Sigel und Bühler, hat unterdessen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Das hatte bereits Auswirkungen. So erhält Radio Grischa bis zum definitiven Gerichtsentscheid vorerst keine zusätzlichen Gebührengelder.

Umso unverständlicher ist es, dass Radio Grischa in diesen heiklen Zeiten gegen seine Konzessionsauflagen verstösst. Konkret geht es um die Radarwarnungen, die halbstündlich – falls vorhanden – in den Verkehrsmeldungen über den Sender gehen. Das tönt dann etwa so: “Weiter… Hörer melden uns: geblitzt wird zwischen Maienfeld und Landquart.” Dabei heisst es in der Konzession doch ausdrücklich, dass diese Art von Sendung untersagt ist. Hierzu ein Auszug aus der Konzession von Radio Grischa:

Artikel 11 Unerlaubte Sendungsarten
Der Konzessionärin ist untersagt, folgende Sendungsinhalte bzw. Sendungsarten auszustrahlen:
a. Radarwarnungen;
b. Publikumsgewinnspiele, die ausschliesslich darauf ausgerichtet sind, Einnahmen zu generieren
und die kaum publizistischen Gehalt aufweisen;
c. pornographische Werbung, insbesondere Werbung für Mehrwertdienste-Nummern mit erotischem
Inhalt und Werbung für erotische Dienstleistungen.

Dieser Wortlaut steht genau so in der Konzession von Radio Grischa. Nun ist doch die Frage: Kennen die Verantwortlichen von Radio Grischa ihre eigene Konzession nicht? Oder verstossen sie etwa wissentlich dagegen? Letzteres würde sicher die Beschwerdeführer von Radio Südost freuen. Damit hätten sie ein weiteres Argument, das sie gegen Radio Grischa verwenden könnten. Bisher hat niemand von Radio Grischa Stellung dazu genommen.